Zur
Zeit seiner Gründung war Arnis eine unbewohnte, bewaldete Insel,
auf der sich nur eine Fischerhütte befand - Kappeln ein Flecken,
der etwa 700 - 800 Einwohner zählte. Mit dem Patronat über
die Kirche hatte "Asmus von Rumohr", der damalige Gutsherr
von Roest, seinerzeit auch die Gerichtsbarkeit und Herrschaft über
Kappeln an sich gerissen. Es wurde, wie es in der Chronik heißt,
den Kap-pelnern schwer, die goldene Freiheit, die sie unter dem
Domkapitel genossen hatten, mit der Sklaverei unter einem Edelmann
einzutauschen, der nur gewohnt war, Fröhnern und Leibeigenen
zu gebieten. Sie wurden im wahrsten Sinne des Wortes geknechtet
und vermochten sich nicht vor der Despotie und der Gewalt ihres
Herren zu schützen.
War auch der Nachfolger "Kay von Rumohr" menschenfreundlicher
und humaner, so trat ihnen wieder in "Hinrich von Rumohr"
ein rücksichtsloser, grausamer Despot entgegen. Er verlangte
von den Kappelner Bürgern den "Homagia-Eid" (Untertaneneid). Als sie sich weigerten, wurden sie ins Gefängnis geworfen.
Auf einen daraufhin von seinen Gegnern angestrengten Prozeß
kam es zum Ver-gleich und die Regierung entschied, daß keine
Neuerungen eingeführt werden dürften. 20 Jahre später
versuchte er in Form eines schriftlichen Revers erneut, den Kappelner
Bürgern den Untertaneneid aufzuzwingen. Dieser Revers - 1651
verfaßt - wurde jedoch von den Einwohnern hartnäckig
abgelehnt. 1666 übernahm "Detlef von Rumohr" die
Verwal-tung seiner väterlichen Güter und verlangte in
scharfer Form wieder den "Homagia-Eid". Er wollte sie
damit seinen Leibeigenen gleichstellen, was bei den Kappelner Bürgern
auf hohen Widerstand stieß. Sie dachten nicht daran, diesen
Eid zu schwören.
Am 29. November 1666 kam es dann wieder zu einem Prozeß gegen
den haßerfüllten Despoten. Aber das Urteil gab keineswegs
Frieden unter den sich streitenden Parteien. So entschlossen sich
die Bürger Kappelns, auszuwandern und sich einen anderen Wohnort
zu wählen, um endlich vor der Willkür dieses Herrn Ruhe
zu finden. 64 Familien (mit Frauen und Kindern etwa 300 Personen) wollten Kappeln verlassen, um sich eine neue Heimat zu gründen.
Ihre Wahl fiel auf die nahegelegene Insel Arnis, die noch unbewohnt
war, dem Domkapitel in Schleswig gehör-te, sonst aber unter
der Landeshoheit des Herzogs von Schleswig-Holstein stand. Sie wandten
sich diesbezüglich an die fürstliche Kanzlei in Gottorp.
Der menschenfreundliche Herzog Christian Albrecht war sofort geneigt,
ihnen die Ansiedlung auf Arnis zu gewähren. Sie entrichteten
daraufhin am 25. Dezember 1666 dem Gutsherrn zu Roest ihr Abzugsgeld
(je einen Reichstaler) und erklärten in einem Schreiben,
daß sie "kein Belieben trügen, weiter unter seiner
Jurisdiktion zu wohnen". Sie mußten sich beim fürstlichen
Reichsvogt des Schleswig-Holsteinischen Domkapitels als künftige
Einwohner von Arnis eintragen.
Am 11. Mai 1667 morgens um 8 Uhr war dann der feierliche Tag, an
dem 64 ausgewanderte Kappelner Familien mit gebogenem Knie und aufgereckten
Fingern unter blauem Himmel dem Reitvogt Wilthagen und Herzog Christian
Albrecht den Huldigungseid leisteten. Nachdem dort die Erlaubnis
zur Bebauung eingeholt war, 1667 der Herzog den Siedlern die Insel
als Eigentum übergab und diesen Ort mit besonderen Privilegien
zum Flecken für Schiffer und Fischer erhob, ging man gleich
ans Werk. Nach Rodung der Bäume wurden den neuen Arnisser Bürgern
100 Bauplätze zuge-teilt. Die ersten Häuser entstanden
nicht in regelmäßiger Reihenfolge, sondern zunächst
wahllos auf verschiedenen Plätzen. Erst im Laufe der Zeit,
wie sich immer mehr Bau-willige fanden, wurde ein Haus neben das
andere gesetzt, so daß eine große Straße auf dem
Mittelrücken der Insel entstand - die heutige "Lange Straße",
auch "Lindenallee" genannt, auf die die Arnisser so stolz
sind. An beiden Enden der Insel verblieb Wiesenland - im Nordosten
das "Aar", das dem Ort seinen Namen gegeben hat und im
Südwesten das zum Pastorat gehörige - damals "großer
Kirchhof" genannt.
Hier auf einer wallartigen Erhebung gegenüber einer ähnlichen
auf der Schwansener Seite - der "Schwonaburg" - beide
wohl alte Festungsanlagen aus der Wikingerzeit - bauten Arnisser
ihre kleine Schifferkirche ,
die 1669 fertiggestellt die Mitte des Friedhofs ziert und über
300 Jahre Blüte und Niedergang des Ortes miterlebt und seine
bewegte Geschichte schadlos überstanden hat. Die Zukunft der
Arnisser lag naturgegeben auf dem Wasser. Vorwiegend Fischer und
Schiffer siedelten sich hier an und die Schiffahrt war es, der der
kleine Ort sein Aufblühen verdankte und die auch in den weiteren
Jahren richtungsweisend die Geschichte des einstigen Fleckens beeinflußte.
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Historische Luftaufnahme des alten Arnis

Der Schleimünder Leuchtturm vor vielleicht fünfzig Jahren

Eines der Votivschiffe der Arnisser Schifferkirche.

Die blühende Arnisser Handelsflotte um die Mitte des 19. Jahrhunderts

Alte Aufnahme der Arnisser Schifferkirche, errichtet im späten 17. Jahrhundert
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