Zur Geschichte

Teil 1
Teil 2
Teil 3
Teil 4

Die alte Schifferkirche

Zur Zeit seiner Gründung war Arnis eine unbewohnte, bewaldete Insel, auf der sich nur eine Fischerhütte befand - Kappeln ein Flecken, der etwa 700 - 800 Einwohner zählte. Mit dem Patronat über die Kirche hatte "Asmus von Rumohr", der damalige Gutsherr von Roest, seinerzeit auch die Gerichtsbarkeit und Herrschaft über Kappeln an sich gerissen. Es wurde, wie es in der Chronik heißt, den Kap-pelnern schwer, die goldene Freiheit, die sie unter dem Domkapitel genossen hatten, mit der Sklaverei unter einem Edelmann einzutauschen, der nur gewohnt war, Fröhnern und Leibeigenen zu gebieten. Sie wurden im wahrsten Sinne des Wortes geknechtet und vermochten sich nicht vor der Despotie und der Gewalt ihres Herren zu schützen.

War auch der Nachfolger "Kay von Rumohr" menschenfreundlicher und humaner, so trat ihnen wieder in "Hinrich von Rumohr" ein rücksichtsloser, grausamer Despot entgegen. Er verlangte von den Kappelner Bürgern den "Homagia-Eid" (Untertaneneid). Als sie sich weigerten, wurden sie ins Gefängnis geworfen. Auf einen daraufhin von seinen Gegnern angestrengten Prozeß kam es zum Ver-gleich und die Regierung entschied, daß keine Neuerungen eingeführt werden dürften. 20 Jahre später versuchte er in Form eines schriftlichen Revers erneut, den Kappelner Bürgern den Untertaneneid aufzuzwingen. Dieser Revers - 1651 verfaßt - wurde jedoch von den Einwohnern hartnäckig abgelehnt. 1666 übernahm "Detlef von Rumohr" die Verwal-tung seiner väterlichen Güter und verlangte in scharfer Form wieder den "Homagia-Eid". Er wollte sie damit seinen Leibeigenen gleichstellen, was bei den Kappelner Bürgern auf hohen Widerstand stieß. Sie dachten nicht daran, diesen Eid zu schwören.

Am 29. November 1666 kam es dann wieder zu einem Prozeß gegen den haßerfüllten Despoten. Aber das Urteil gab keineswegs Frieden unter den sich streitenden Parteien. So entschlossen sich die Bürger Kappelns, auszuwandern und sich einen anderen Wohnort zu wählen, um endlich vor der Willkür dieses Herrn Ruhe zu finden. 64 Familien (mit Frauen und Kindern etwa 300 Personen) wollten Kappeln verlassen, um sich eine neue Heimat zu gründen. Ihre Wahl fiel auf die nahegelegene Insel Arnis, die noch unbewohnt war, dem Domkapitel in Schleswig gehör-te, sonst aber unter der Landeshoheit des Herzogs von Schleswig-Holstein stand. Sie wandten sich diesbezüglich an die fürstliche Kanzlei in Gottorp. Der menschenfreundliche Herzog Christian Albrecht war sofort geneigt, ihnen die Ansiedlung auf Arnis zu gewähren. Sie entrichteten daraufhin am 25. Dezember 1666 dem Gutsherrn zu Roest ihr Abzugsgeld (je einen Reichstaler) und erklärten in einem Schreiben, daß sie "kein Belieben trügen, weiter unter seiner Jurisdiktion zu wohnen". Sie mußten sich beim fürstlichen Reichsvogt des Schleswig-Holsteinischen Domkapitels als künftige Einwohner von Arnis eintragen.

Am 11. Mai 1667 morgens um 8 Uhr war dann der feierliche Tag, an dem 64 ausgewanderte Kappelner Familien mit gebogenem Knie und aufgereckten Fingern unter blauem Himmel dem Reitvogt Wilthagen und Herzog Christian Albrecht den Huldigungseid leisteten. Nachdem dort die Erlaubnis zur Bebauung eingeholt war, 1667 der Herzog den Siedlern die Insel als Eigentum übergab und diesen Ort mit besonderen Privilegien zum Flecken für Schiffer und Fischer erhob, ging man gleich ans Werk. Nach Rodung der Bäume wurden den neuen Arnisser Bürgern 100 Bauplätze zuge-teilt. Die ersten Häuser entstanden nicht in regelmäßiger Reihenfolge, sondern zunächst wahllos auf verschiedenen Plätzen. Erst im Laufe der Zeit, wie sich immer mehr Bau-willige fanden, wurde ein Haus neben das andere gesetzt, so daß eine große Straße auf dem Mittelrücken der Insel entstand - die heutige "Lange Straße", auch "Lindenallee" genannt, auf die die Arnisser so stolz sind. An beiden Enden der Insel verblieb Wiesenland - im Nordosten das "Aar", das dem Ort seinen Namen gegeben hat und im Südwesten das zum Pastorat gehörige - damals "großer Kirchhof" genannt.

Hier auf einer wallartigen Erhebung gegenüber einer ähnlichen auf der Schwansener Seite - der "Schwonaburg" - beide wohl alte Festungsanlagen aus der Wikingerzeit - bauten Arnisser ihre kleine Schifferkirche , die 1669 fertiggestellt die Mitte des Friedhofs ziert und über 300 Jahre Blüte und Niedergang des Ortes miterlebt und seine bewegte Geschichte schadlos überstanden hat. Die Zukunft der Arnisser lag naturgegeben auf dem Wasser. Vorwiegend Fischer und Schiffer siedelten sich hier an und die Schiffahrt war es, der der kleine Ort sein Aufblühen verdankte und die auch in den weiteren Jahren richtungsweisend die Geschichte des einstigen Fleckens beeinflußte.

 

weiter top 

 


Klick - vergrößerte Darstellung
Historische Luftaufnahme des alten Arnis

 

 

 

 

 

Klick - vergrößerte Darstellung
Der Schleimünder Leuchtturm vor vielleicht fünfzig Jahren

 

 

 

 

 

Klick - vergrößerte Darstellung
Eines der Votivschiffe der Arnisser Schifferkirche.

 

 


 

 

 

Klick - vergrößerte Darstellung
Die blühende Arnisser Handelsflotte um die Mitte des 19. Jahrhunderts

 

 

 

 

 

Klick - vergrößerte Darstellung
Alte Aufnahme der Arnisser Schifferkirche, errichtet im späten 17. Jahrhundert