Zur Geschichte

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Teil 4

Die alte Schifferkirche

Doch überraschenderweise zieht nachts der Gegner ab, Arnisser Bürger überbringen den Preußen diese Nachricht, worauf Pioniere von Sundsacker nach Arnis eine Brücke schlagen und Prinz Friedrich Carl mit seinen Truppen als Siegereinzieht (6. Feb. 1864). Begeistert wird er in Arnis empfangen. - Bringt der Krieg auch eine Befreiung von der Dänenherrschaft, so auch gleichzeitig den Untergang der einst so stolzen Arnisser Schiffahrt. Das sie den Übergang der Preußen gefördert und gefeiert hatten, brachten den Arnissern nachteilige Folgen. Als sie mit Frachten nach Kopenhagen kamen, wurden sie beschimpft und mußten unverichteter Sache wieder umkehren. Sie waren für die Dänen Ausländer und mußten für die eingeführten Waren Zoll bezahlen. Man wandte sich darauf von Dänemark ab und suchte andere Handelsverbindungen, was jedoch mißlang. Als Konkurrenz trat jetzt auch mehr und mehr die Dampfschiffahrt in Erscheinung.

Viele Eigner verkauften ihre Schiffe, andere versuchten es mit Mauersteinen als Fracht für das schnell wachsende Kiel, wieder andere hingen ihren Seemannsberuf an den Nagel und zogen fort. Die Schiffahrt kam schließlich ganz zum Erliegen und mit ihr die vielen von ihr abhängigen Erwerbszweige. Eine starke Abwanderung setzte ein, so daß Arnis 1875 nur noch 739 Einwohner zählte. Schuppen und Packhäuser verfielen dem Abbruch, bestehende Brücken wanderten in den Ofen und die großen Dalben, im Hafen, an denen die einst so stolze Flotte gelegen hatte, wurden entfernt. Das war das Ende einer großen Zeit! Mit einer gewissen Wehmut schaute man auf die große Schifferzeit zurück und mit banger Sorge in die Zukunft. Damals tauchte der Gedanke auf, aus dem schönen Flecken an der Schlei einen bescheidenen Bade- und Kurort zu machen. Die ersten Gelder hierfür brachte ein Theaterverein mit seinen beliebten Aufführungen, ein Verschönerungsverein setzte den Plan in die Tat um und ein Fremdenverkehrsverein begann mit der Werbung. Man hatte Erfolg. Immer mehr Erholungssuchende - viele Hamburger - weilten Jahr für Jahr in dem kleinen Schleistädtchen. Ein Hamburger war es auch, der 1907 durch die Gründung des Segelclubs dem Ort und Fremdenverkehr neuen Auftrieb brachte.

Die Regatten zogen viele Segler und Schaulustige an und mit den Seglern kam für die beiden Werften neue Arbeit durch Bauten, Reperaturen und Winterlager. Ihr guter Ruf brachte sogar verschiedene Aufträge aus dem Ausland. Auch der Fischerei gab die Schlei einen bemerkenswerten Auftrieb. Bis 1890 nebenberuflich betrieben, trat sie jetzt als neuer Faktor im Erwerbsleben in Erscheinung. Durch Zuzug ostpreußischer und pommerscher Fischer in den Jahren 1909-12 wuchs die Zahl der Kutter, mit denen die Hochseefischerei aufgenommen wurde. Drei große Ringwaden mit 30 Teilnehmern betrieben in der Schlei die Großfischerei und meldeten manchmal Rekordfänge von 25000 Pfund. Dann kam der 1. Weltkrieg und die Inflation, die wieder alles zunichte machte. Ringwaden und Fischereigenossenschaft lösten sich auf. Nur langsam konnte sich der kleine Ort erholen. Bescheiden fing der Arnisser Segelclub wieder an, ein Turn- und Sportverein wurde gegründet, ein Männergesangverein kam hinzu, nach dem 2. Weltkrieg dann auch noch ein Schützenverein. Zwischen den beiden Weltkriegen gab es keine Ereignisse von besonderer Bedeutung für Arnis.

Erst als am Ende des zweiten große Flüchtlingsscharen aus dem Osten in unser Land und auch nach Arnis kamen, gab es wieder Leben. Mit ihrer Unterbringung veränderte sich die Bevölkerung des Ortes derart, daß man etwa 500 Einheimische und 400 Vertriebene zählte. Dies rief die dänisch gesinnten Bürger auf den Plan und führte zur Gründung einer dänischen Schule und eines dänischen Pastorats. In den letzten Kriegstagen, mit Truppen und Schiffen vollgepfropft, erlebte Arnis turbulente Szenen. Die letzten Schüsse der Borkanonen englischer "Jabos" durch-löcherten die Dächer der kleinen Häuser und nach der Kapitulation erhielt der Ort, der im Laufe seiner Geschichte schon so viele Truppen verschiedener Nationalitäten beher-bergt hatte, englische Einquartierung. Das alte Fischerhaus wurde Hauptquartier, englische Posten, Ordonanzen und Streifen beherrschten das Stadtbild. Erst als die Soldaten wieder abzogen, normalisierte sich das Leben und Ruhe und Frieden kehrten wieder ein. - Vieles hat sich seit dem Kriege getan. Die Hauptstraße erhielt eine neue Teerdecke und Peitschenlampen, die alten Häuser wurden zum größten Teil renoviert. Um ganze zwei konnte sich die Stadt am Nord- und Südufer ausdehnen. Das berühmte "Klin-kenhus" ( nach dem berühmten Reeder: Klinck benannt ) wurde Rathaus der Stadt Arnis, nachdem man seit 1934 Stadtrechte genoß.

 

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Der Übergang der Preußen bei Arnis, 1864

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Aufnahme eines typischen, alten Schleikahns