Von
1842 an trennte ein hölzernes Chorgitter den Altarraum noch
besonders ab. Seine Mitte trug eine mannshohe Nachbildung des Gekreuzigten,
rechts und links davon zwei kleiner gebildete Figuren, die aber
verlorengegangen sind. Noch heute befindet sich das weitarmige braune
Bretterkreuz mit der blassen, hageren, nur mit einem blauen Lendentuch
bekleidete Gestalt des Gekreuzigten an der Nordwand. Es handelt
sich hierbei wohl um ein aus der Erbauungszeit stammendes Werk,
einem spätgotischen Typus nachgearbeitet. Gegenüber befand
sich die dreiviertelhohe, oben offene Sakristeiloge, von der eine
Treppe zur Kanzel führte. Sie wurde erst im Lauf der Restaurierung
in den fünfziger Jahren entfernt, so daß sich hier nun
eine Kanzel befindet.
Früher in weiß gehalten, erhielt sie 1954 unter Professor
Beyle in der Hamburger Meisterschule eine andere Tönung, gelbgrün
als Hauptfarbe, vor dunkelbraunem Grund. Die Kanzel ist viel älter
als das Gotteshaus selber. Über ihre Herkunft ist wenig bekannt.
Es heißt, daß sie von der Insel Nordstrand stammt, wo
nach einer Sturmflut ein Arnisser Schiffer sie aufgefischt und hierhergebracht
haben soll. Unten nennt eine Inschrift in gotischen Buchstaben als
Stifterin "Margarethe Sniders" und das Jahr 1573. Sicher
wurde sie aus einer anderen Kirche übernommen. Ähnliche
sollen sich in der Gegend von Hadersleben befinden.
Die Kanzel imponiert als polygonaler Korb mit architektonischer
Brüstung und Schalldeckel. Sie zeigt zwischen in vielen Ranken
hockenden Ungeheurern, Fratzen und Gesichtern den Apostel Paulus
mit Schwert, Maria mit dem Kind, Adam und Eva und zwei Landsknechte
mit geflügeltem Cherubkopf. Es sind flache, einfach geschnitzte
Gestalten mit übergroßen Köpfen, groben Gesichtern,
kleinen Rümpfen und dürren Gliedern. Ähnlich schlicht
ist auch die nördlich des Altars befindliche Taufe, vermutlich
aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts stammend. Sie hat
die Form eines Pokals auf breiter achteckiger Fußplatte. Die
Schale wird von vier Evangelistenfiguren getragen, schlanke, flachgeschnitzte,
nach vor geneigte Gestalten mit gewelltem Haar, langen strähnigen
Gewändern, verbogenen Armen und eingeklemmten Buch vor dem
Leib. Früher weiß lackiert, hat die Taufe ebenfalls
1954 ihre jetzige Bemalung mit den aufgeklebten Sternen erhalten.
Altarkelch, Obladenteller, drei Messingleuchter mit der Jahreszahl
1714 sind ebenso alte Gaben wie der Chortisch und die Hängekronen
mit der Zahl 1676.
Vieles ist im Laufe der Jahre im Sinne der Vereinfachung aus der
Kirche entfernt worden,so die Bilder der ersten Pastoren von Arnis,
die großen unklar gewordenen Ölbilder "Die Kreuzaufrichtung"
über der Nordtür (1693), und "Das jüngste Gericht"
(1742) über der Südtür. Geblieben sind die verschiedenen
vollgetakelten Votivschiffe als Residuen einer großen Arnisser
Zeit. Das älteste von ihnen war die Brigantine "Privilegia"
aus dem Jahre 1770, die leider aus der Kirche gestohlen wurde. Die
noch hängenden Schiffe stellen eine Brigg dar, mit Kanonendeck
und nacktem Kind als Galionsfigur, Dampffregatte mit schlankem Schornstein,
Batteriedeck und drei Masten sowie ein dreimastiges Linienschiff
mit Heckaufbau, zwei Kanonendecks und einem antikischen Krieger
als Galionsfigur. Es befand sich in schlechtem Zustand und ist ganz
sicher nicht das dänische Linieschiff "Christian VIII.",
was von alten Arnisser angenommen wurde. Ein Steuerrad eines Schiffes
neueren Datums als Beleuchtungskörper vervollständigt
die seemännische Tradition der kleinen Kirche.
Wenn der Ton der beiden Glocken - zwei wurden im letzen Krieg geopfert
- die Gemeinde Sonntags zum Gottesdienst ruft, dann versammeln sich
viele Arnisser in ihrer kleinen Schifferkirche, um, wie vor über
300 Jahren schon ihre Vorfahren, zu singen, zu beten und den Wortes
ihres Pastors zu lauschen, der noch heute nach altem Brauch die
Seeleute auf allen Meeren in sein Gebet einschließt.
Text nach Dr. Walter Luth, in: "Arnis -
kleine Stadt mit großer Vergangenheit"
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Eine weiterer historischer Blick in das Kircheninnere

Das Altarrelief der Arnisser Kirche
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